70 Jahre KreislandFrauen Schwäbisch Gmünd
Die Gründung vor 70 Jahren feierte der Kreisverband der Gmünder LandFrauen mit Delegationen aus zwanzig Ortsvereinen und zwei Schwungfedergruppen am Samstagabend bei einem Unterhaltungsprogramm mit Grußworten und einem gemeinsamen Menu im Mutlanger Tanzsportzentrum Disam.
Von den insgesamt 2.000 Mitgliedern waren mehr als 420 Landfrauen und einige “Landmänner” zum Festabend gekommen und bevor die Feier so richtig los ging, sorgte die Alfdorfer Vorsitzende Gudrun Carbon-Segan für einen ernsten Moment mit einer emotionalen Bitte. Für eine LandFrau aus ihrem Ortsverein geht es nach der Diagnose Blutkrebs um alles. Carbon-Segan bat um die Teilnahme an einer Registrierungsaktion für eine Stammzellenspende am Sonntag 12. November in der Alten Halle von Alfdorf, die das Leben der Erkrankten retten könnte.
Diese Geste zu Beginn einer bunten Feier, zeigt viel von dem was es heißt Mitglied bei den LandFrauen zu sein. Auch sämtliche Grußwortredner hoben diese Stärken hervor; Gemeinsamkeit, Zusammenhalt und die Fürsorge, die bei den Landfrauen einerseits in den Gruppen als auch für die Gesellschaft insgesamt praktiziert werde. Und noch etwas; das hartnäckige Klischee von der “altmodischen Landfrau” wurde an diesem Abend völlig ausgehebelt.
Zwei Gruppen, entstanden aus den LandFrauenvereinen, gestalteten das Programm. Zu Beginn trat die Mundharmonikagruppe unter Leitung von Roger Brand auf, der mit den knapp zwanzig Damen, darunter auch zwei Herren, eine gute Liedauswahl getroffen hatte. Der böhmische Traum wurde ebenso musikalische Wirklichkeit wie die “Weite der Prärie”. Mit Westernmusik unterlegte auch die Line-Dance Gruppe aus Eschach unter Leitung von Jessica Baumann ihre beschwingte, synchron getanzte Vorstellung mit sehr viel Taktgefühl, bei der auch OB Richard Arnold begeistert mit klatschte. Eine sehr gute Wahl war das Engagement des Improvisationstheaters Q-rage. Omnipräsent begleiteten die Darsteller Sandra Hehrlein und Jörg Pollinger den Abend, kommentierten sämtliche Beiträge spritzig und witzig und setzten die Wortvorträge pantomimisch um, was wahre Beifallsstürme auslöste, etwa die Darstellung des Wortes “Kreisbauernverband”, wo aus Mangel an Darstellungsmöglichkeit für den Verband die medizinische Variante herangezogen wurde. Dass diese Moderation so mitreißend gelingen konnte, lag zum guten Teil an Michael Fiedler, der mit sehr viel Einfühlungsvermögen am Keyboard begleitete. Termingenau zum Jubiläum durften sich die KreisLandfrauen auch über die Herausgabe ihres neuen Kochbuchs freuen, das in Zusammenarbeit mit dem Einhornverlag gestaltet wurde. Die beiden Kreisvorsitzenden Ursula Schabel und Doris Kurz dankten Geschäftsführerin Gabi Müller , die wieder einmal ihr Organisationstalent bei der Vorbereitung des Jubiläums bewiesen hatte. Doris Kurz erinnerte an die Gründung des Kreisvereins vor siebzig Jahren, wobei bereits 1946 in Alfdorf von Freifrau vom Holtz der erste Ortsverein im gesamten Landesverband gegründet wurde. Doch schon vorher, im Jahr 1917 traf sich ein landwirtschaftlicher Hausfrauenverein in Gmünd. Die Not der Kriegszeit brachte die Bewegung zum Stillstand bis in den Jahren 1946 bis 1948 von Freifrau vom Holtz und Gräfin Leutrum der Kreisverein herbeigerufen wurde, um die Frauen ihrem oft schweren Alltag zu entheben. Nach und nach gründeten sich die Ortsvereine, die jüngsten im Jahr 1995, als sich im Walkersbacher Tal und in Waldstetten Frauen als LandFrauen zusammenfanden. Geselligkeit, Gesundheitsprävention und Bildungsarbeit bestimmen seither das Programm, auch der Erzeuger-Verbraucher-Dialog ist den Landfrauen wichtig. Der Dank der Vorsitzenden Kurz galt ihren Vorgängerinnen, Elke Waibel, Gertrud Wanner und Theresia Grieb und allen Geschäftsführerinnen, die ebenfalls anwesend waren.
Vom Landesverband überbrachte Dr. Beate Krieg Grüße von Präsidentin Marie-Luise Linckh. Begriffe wie “Offen, Überparteilich und Überkonfessionell” seien den Landfrauen von Beginn an ins Stammbuch geschrieben. Dr. Krieg warf einen Blick auf das einflussreiche Netzwerk der Landfrauen indem die politischen Interessen aller Frauen im ländlichen Raum vertreten werden. So konnte beispielsweise eine Bundesförderung für das Mammographie-Screening-Programm gesichert, ein weiterer Punkt für die Mütterrente erreicht oder das Bildungszeitgesetz auch auf Ehrenamtliche ausgedehnt werden. Viel Lob erhielten die Gmünder KreislandFrauen von ihr auch für ihren Einsatz auf der Landesgartenschau im Jahr 2014. Welche Wertschätzung Oberbürgermeister Richard Arnold den Landfrauen entgegenbringt, zeigte sich daran, dass er einen Termin bei Landrat Pavel absagte um den Landfrauen ebenfalls für ihr Engagement zu danken. Das herzliche Kompliment “Ihr seid die Perlen der Gemeinschaft” verband Arnold mit der Bitte bei der Remstalgartenschau 2019 mitzuwirken. Diese Bitte schien bei den Frauen auf offene Ohren zu stoßen, ebenso wie der Wunsch des OB nun gemeinsam ein Geburtstagsständchen zu singen. Die Grüße von Landrat Klaus Pavel überbrachte der Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft, Helmut Hessenauer . Sein Lob “Es ist die Nähe zu den Menschen, die ihre Arbeit so wertvoll macht” kam bei den LandFrauen genauso gut an, wie die Zusage von Hubert Kucher, dem Vorsitzenden des Bauernverbands Ostalb, zu einer weiteren guten Zusammenarbeit denn; “Man braucht Menschen wie sie, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen.” Kucher hatte als kostbares Geschenk einen Korb voller Ostalbäpfel mitgebracht und setzte darauf, dass auch das Teilen zu den Tugenden der Landfrauen zählt, lächelnd meinte er: “Wenn’s net langt, dann mache mir Schnitz.”



